Unsere neue CD

 

Presseartikel


Strictly Bluegrass: Lonesome Night
CD o.L oJ. D 2010 (47:21 min]

 

 


Vier Veteranen der Münchner Szene haben sich schon vor Jahren zusammengetan,
um wie der Name sagt, nichts als Bluegrass zu spielen:

Dieter Rahner (bj, db), Gregor Thurmair (md, fd), Emanuel Niklas (g) und
Günther Wimberger (bass). Niklas ersetzt den am 24. Juni 2008 verstorbenen Otto
Mittnacht. Vorher hatten alle schon in anderen Bands gespielt.
Ihre CD haben sie im Übungsraum ohne Overdubs und Korrekturen
aufgenommen, "damit die Veranstalter wissen, was sie zu erwarten haben", erklärte
Rahner. "Dabei sind auch einige Patzer und Fehler erhalten geblieben". Die merkt man
allerdings kaum, und dies Verfahren ist besser als eine künstliche CD,
die auf der Bühne nicht halten kann, was sie im Player verspricht.
Wir finden viele bekannte Titel und einige unbekannte, Autorenangaben fehlen
leider völlig. Viele Gospelsongs sind dabei sowie drei Instrumentalstücke.
Besonderen Wert legen sie auf den Gesang, alle vier können
singen und sie haben Harmonien und Gesangssätze arrangiert,
die sie von manchen anderen 'Bands abheben. Besonders "Man
gave names ..." und "Gospel plough" sind recht originell, weichen vom Üblichen ab.
Und ich freue mich, Ihnen eine neue deutsche Bluegrass-CD vorstellen und empfehlen zu
können.

Eberhard Finke
Bluegrass-Bühne Nr. 179 Okt./Nov. 2010


Every Humble Knee Must Bow

Salt Creek

God Moves In The Windstorm

Panhandel Rag

Man Gave Names To All The Animals

Ocean Of Diamonds

It's Mighty Dark For Me To Travel

Drifting Too Far From The Shore

Gospel Plow

Last Letter Home

Nelly Kane

Walk In The Irish Rain

On The Lonsome Night

Clinch Mountain Backstep

Pig In The Pen

Walls Of Time

Down To The River To Pray

Viel Spaß beim anhören...


 

Unterhaltsam und lebensbejahend

„Strictly Bluegrass“ und „Bluegrass Cwrkot“ begeistern im Bürgerhaus Neuer Markt

„Bluegrass-Nacht“ im Bürgerhaus: Im Rah-
men des Summits der European Bluegrass Mu-
sic Association veranstaltete der 2010 gegrün-
dete deutsche Dachverband GBMA (German
Bluegrass Music Association) unter Vorsitz
von Friedrich Hog am Samstag ein Konzert,
für das wahrhaftig hochkarätige Musiker an-
gereist waren: Es spielten das tschechische
Quintett Bluegrass Cwrkot und das Münchner
Quartett Strictly Bluegrass.
Dass das doch eher nüchterne Ambiente des
Rechtecksaales schnell in Vergessenheit gerät,
ist dem natürlichen Auftreten der Musiker
ebenso zu verdanken wie dem hoch motivier-
ten Publikum, das sich als echte „Fangemein-
de“ erweist. Der erste Teil des Konzerts gehört
den Münchnern, die Hog als Band vorstellt,
„die Bluegrass macht, aber auch über den Tel-
lerrand guckt“.
Mit den typischen Bluegrass-Instrumenten
Banjo, Fiddle, Mandoline, Gitarre, Dobro und
Kontrabass spielt und singt sich die Gruppe
durch ein breites Repertoire, das von traditio-
nellen Songs wie „Pig in a pen“ über stark
irisch geprägte Instrumentalstücke („Irish
spring“) bis hin zu Gospels reicht. Kommt die
Musik meist volkstümlich-vital daher, ver-
harrt sie auch mal in wehmütiger Klage um die
untreue Geliebte oder die verlorene Heimat.
zu viel Raum für Tragik bleibt indes nicht, da-

für sorgt auch der quirlige Gregor Thurmair
(Fiddle und Mandoline), der mit seinen frech-
fröhlichen Kommentaren Gelächter provo-
ziert: „Das ist unser erster Auslands-Strip-
tease in diesem Jahr“ oder Altersmäßig wer-
den wir nur von den Rolling Stones getoppt“,
flachst er.
An die Nähe zu den US-amerikanischen Ur-
sprüngen des Bluegrass -dieser entstand um
1945 aus der Musik der Band „Bill Monroe and
his Bluegrass Boys“ -, erinnert bei den (mit
Ausnahme der Songtexte) in breitem Baye-
risch parlierenden Münchnern der spontane
Wechsel ins Englische, wobei die Band ver-
gnügt auch mal den umgekehrten Schritt voll-
zieht und in Bob Dylans „Man gave names to
all the animals“ unvermutet singt: „Laft so a
Viecherl durch an Wald wie a Depp… ja des iss
ja der Sepp!“ Ihre Instrumente beherrschen
die vier -neben Thurmair sind dies Dieter
Rahner an Banjo, Dobro und Mandoline, Gi-
tarrist Emanuel Niklas und Kontrabassist
Günther Wimberger -in aller Perfektion, wie
sie in virtuosen Solo-Parts beweisen, und auch
was ihre stimmlichen Qualitäten betrifft,
bleibt festzustellen: Es passt einfach.
Als „Bluegrass Cwrkot“ die Bühne betritt,
wird eine Dynamik in Gang gesetzt, die mit
Nostalgie gewiss gar nichts mehr gemein hat
Schon optisch (mit weißen Hüten) eine Remi-

niszenz an Bill Monroe, wirken die Tschechen
auch von der übermütigen Umsetzung der
Songs her wie ein Revival der Bluegrass-Boys
Nicht, dass es ihnen an Originalität mangele
Ob die Brüder Pavel und Petr Brandejs (an
Kontrabass beziehungsweise Banjo), die die
Band 1984 gründeten, oder ihre Kollegen Jan
Lzicar (Gitarre), David Koucky (Fiddle) und
Marek Macak (Mandoline) -das Quintett über-
zeugt mit einer lebensbejahenden Perfor-
mance, musikalisch anspruchsvoll und höchst
unterhaltsam.
Die fünf lassen sich auf populäre Songs wie
"Truck drivin’ man“ genauso kraftvoll ein wie
etwa auf Stücke aus der Feder ihres verstorbe-
nen Mitglieds Milan Leppelt. Es wird gejodelt,
gefiddelt und gesungen, was das Zeug hält,
Chop-Schläge sorgen für mitreißenden Rhyth-
mus, und persönliche Nähe entsteht durch
Anekdoten, die Petr Brandejs zum Besten gibt.
Er übt mit den amüsierten Zuhörern auch ein,
wie Cwrkot ausgesprochen wird („Sorry for
the name…“).
Der Abend kulminiert in Zugaben der bei-
den Bands gemeinsam, erstaunlich homogen
und begleitet von freundschaftlich-humorvol-
len Gesten. Fazit: Der Abend kann nicht nur
aus Sicht der Bluegrass-Szene als exzellente
Darbietung rein akustischer Musik gewertet
werden.                                         Katrin König